Neue Regeln im Umgang mit großen Beutegreifern

Unabhängiges Fachkuratorium Wolf/Bär/Luchs wird eingerichtet.

Empfohlene Maßnahmen bis hin zur Entnahme bindend - Budgeterhöhung für Herdenschutz und Kategorisierung der Almgebiete, wo Herdenschutz möglich ist –Almbewirtschaftung erstmals öffentliches Interesse zugestanden.

Mit einem 11 Punkte umfassenden Dringlichkeitsantrags im kommende Woche stattfindenden Landtag, regeln die Tiroler Volkspartei und die Tiroler Grünen den Umgang mit großen Beutegreifern in Tirol neu.

Zentrale Elemente der Änderungen betreffen einerseits die Einrichtung eines unabhängigen und weisungsfreien Fachkuratoriums „Wolf–Bär-Luchs“, das auf Basis des österreichischen „Managementplan große Beutegreifer“ Maßnahmen - von der Besenderung über die Vergrämung bis hin zur Entnahme - für den Umgang mit auffälligen Wölfen empfiehlt. Diese Empfehlung ist für die Landesregierung bindend. Andererseits wird der Herdenschutz nicht nur finanziell aufgewertet, sondern auch rechtlich verankert. Um eine fachliche Entscheidungsgrundlage zu erhalten, wird das gesamte Almgebiet Tirols auf seine Eignung für Herdenschutzmaßnahmen hin überprüft und entsprechend kategorisiert. Entschädigungszahlungen von gerissenen Tieren sollen des Weiteren nicht mehr im Ermessen der Behörde liegen, sondern gesetzlich garantiert werden. Zudem sollen alle Maßnahmen und Erkenntnisse jährlich evaluiert und im Jahresbericht "Große Beutegreifer" veröffentlicht werden.

LH Günther Platter

„Die Ausbreitung der großen Beutegreifer stellt alle Länder des Alpenraums - und hier vor allem die Landwirtschaft - vor große Herausforderungen. Der europarechtliche Rahmen ist dabei eng gefasst. In enger Abstimmung mit Rechtsexperten haben wir gemeinsam nun einen Maßnahmenplan erarbeitet, all das zu tun, was wir rechtlich machen können und der die Möglichkeit der Entnahme von Problemtieren schafft. Der Grundsatz des Maßnahmenkatalogs lautet: Herdenschutz dort wo möglich und Entnahme dort wo notwendig. Wenn ein Beutegreifer massive Schäden verursacht und eventuell sogar die Scheu vor Menschen verliert, muss eine Entnahme rasch möglich sein. Dem tragen wir mit diesen Gesetzesänderungen Rechnung.“

LHStv. Geisler
„Es geht um die Zukunft der Almwirtschaft. Mit diesem Maßnahmenkatalog sind wir weiter als alle anderen österreichischen Bundesländer und auch als Südtirol. Wir setzen um, was möglich ist, um die Tiere unserer Bauern zu schützen. Wir gehen neue Wege und eröffnen eine realistische Möglichkeit zur beschleunigten Entnahme eines verhaltensauffälligen Wolfes oder Bären. Damit bieten wir den betroffenen Bauern und Almen eine Perspektive. Klar ist aber auch, dass der Rechtsrahmen es nicht zulässt, ganz Tirol zur wolfsfreien Zone zu erklären und jeden Wolf abzuschießen. Eine Einzelfallbeurteilung, die aber schnellstmöglich durchgeführt werden soll, ist deshalb notwendig. Ein wesentliches Instrument dabei ist die Ausweisung von Weideschutzgebieten, also Gebieten, in denen Herdenschutz in der Realität nicht umsetzbar ist. Daran arbeiten wir bereits mit Hochdruck.“

LHStv.in Ingrid Felipe

"Der Schutz von Schafen und der Schutz von großen Beutegreifern ist kein Widerspruch. Es ist beides möglich, wenn alle ihren Beitrag dazu leisten. Mit den rechtlichen Änderungen, die wir jetzt vornehmen, bereiten wir den Boden dafür, dass ein Leben mit Wolf und Bär in Tirol möglich ist und das unter Einhaltung der geltenden Rechtsnormen und im Sinne der Biodiversität im Alpenraum. Es gilt nun bei diesem Thema wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren und auf Basis dieser neuen rechtlichen Bestimmungen die Tiroler Almwirtschaft weiterzuentwickeln.“

Klubobmann Jakob Wolf

„Mit dem heute eingebrachten Dringlichkeitsantrag schaffen wir ein klares Regelwerk – bis hin zur Entnahme, wie zukünftig mit auffälligen Beutegreifern umzugehen ist. Maßnahmen wie Besenderung und Vergrämung, die bisher laut Jagdrecht nicht möglich waren, werden nun rechtlich verankert. Wichtig ist, dass die Debatte versachlicht wird. Die Beurteilung ob ein Tier entnommen wird, ist keine politische Frage, sondern eine fachliche, die nunmehr von Experten rasch und klar beantwortet werden muss.“

Klubobmann Gebi Mair

„Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir in Tirol den Spagat zwischen dem Schutz von Nutztieren und dem Schutz von Beutegreifer schaffen werden. Was es dafür braucht ist die Bereitschaft zur Veränderung. Die neuen Regeln sehen erstmals eine Verpflichtung zum Herdenschutz vor. Das ist der wahre „Gamechanger“ im Umgang mit dem Wolf. Denn wenn der Wolf keine leichte Beute mehr im unbeaufsichtigten und ungeschützten Almgebiet machen kann, dann wird er das tun, wofür er sehr wertvoll fürs ökologische System ist: als Gesundheitspolizei im frei lebenden Tierreich. In dieser Funktion bringt der Wolf der Natur und uns als Gesellschaft einen absoluten Mehrwert.“

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